Brauchtumsbezeichnung
Zunftbrauch
Zunftladenübergabe
Ereignis
Stephanitag
Jahreszeit
Winter
Bezirk
Oberpullendorf
PLZ
7344
Gemeinde
Stoob
Beschreibung
Der Töpferort Stoob ist jedes Jahr am Stephanitag Schauplatz einer altehrwürdigen Begehung, eines Zunftbrauches:
Am Morgen schickt der „Altvater“, der Zunftmeister, ein Kind, meist seine Tochter, aus und lässt bei den anderen Meistern der Töpferei und Hafnerei „einsagen“, d.h. einladen: „Der Handwerksvater“, heißt der Spruch traditionell, „lasst an guetn Morgen sagen. Sie sollen heut um ans auf’s Handwerk kommen!“
Das Töpferhandwerk ist in dieser Gegend, die so wunderbaren Ton in drei Sorten in solcher Fülle lieferte und heute noch liefert, sicher das älteste gewesen. Seit dem frühen Mittelalter ist es bekannt und seit 1637 die Zunft bezeugt.
Die „Arbeitsordnung“ von 1675 ist auch das älteste Stück, das jene Zunftlade enthält, die am Stephanitag im Mittelpunkt des Brauches steht. Daneben beinhaltet die dunkelbraune, mit zwei Schlössern versehen Lade mit dem Wappen und dem Plutzer und mit der Jahreszahl „1846“ noch eine „Zunftordnung“ aus 1757, Namensverzeichnisse der Meister von 1637 bis heute, Gesellenbriefe, Statuen, Abrechnungen, Marktordnungen, Verordnungen, Briefe, Zeugnisse… Ein Messingsiegel ohne Jahrzahl ist sicher sehr alt.
Diese Lade nun und der Zunftkrug aus Zinn von 1659 werden in der Stube des „Altvaters“, des bisherigen Zunftmeister, aufgestellt. Um 13 Uhr finden sich die Meister ein und werden bewirtet. Dann wird die Truhe geöffnet und „Altvater“ und „Neuvater“ oder „Jungmeister“, wie der neue Zunftmeister auch genannt wird, kontrollieren den Inhalt, vergleichen die Abrechnungen und übergeben und übernehmen die Kasse.
Am späteren Nachmittag laden sich zwei Männer Krug und Zunftlade auf die Schultern, um beides in das Haus des „Neuvaters“ zu tragen, wo die ganze Zunft neuerlich bewirtet wird. Diese Einladung ist nach der Übernahme die zweite „Amtshandlung“ des neuen Zunftmeisters, seine dritte, alle zu einem Trunk in das Gasthaus zu laden, diesmal auf Kosten der Innung.
Obwohl sie nur mehr wenige sind und die Zunft – einst durfte sie die Gesellen- und Meisterprüfungen abnehmen – nicht mehr die Bedeutung von einst hat, halten sie an diesem Brauch fest. Auch die feierliche Handlung, die der neue Innungsmeister in den ersten Tagen des neuen Jahres vollbringen wird, hat heute nur mehr symbolischen, brauchtümlichen Charakter: Neben dem „Zunftgeld“, sozusagen dem Mitgliedsbeitrag, hebt er den Anteil am „Kontraktgeld“ von jedem ein. Mit dem Kontraktgeld, jährlich 35, – Schilling, begibt er sich dann in die Fürstlich Esterházy’sche Forstverwaltung und liefert es ab. Damit erhalten sich die Töpfermeister von Stoob das alte Recht, auch auf fürstlichem Grund und Boden nach Ton zu graben. Heute gewinnen sie ihr Rohmaterial fast nur mehr aus den Hutweiden, weil die Gewinnung dort am wirtschaftlichsten ist. Aber Brauch und Recht wollen sie erhalten – wie die eindrucksvolle Begehung der „Zunftladenübergabe“ am Stephanitag.

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