Brauchtumsbezeichnung
Sebastianisingen
Ereignis
20. Januar
Jahreszeit
Winter
Bezirk
Oberpullendorf
PLZ
7311
Gemeinde
Neckenmarkt
Beschreibung
Das "Sebastianisingen" der Ministranten von Neckenmarkt, ein Sammelsurium von Lied- und Spiel-Bruchstücken, ist von der reichen Fülle burgenländischer Volksspieltradition allein übrig geblieben; es wurde nach einer Unterbrechung vor Jahren von den Buben selber wieder aufgenommen. Mit weißen Hemdblusen angetan und mit Kronen auf dem Kopf, einer mit einem Schwert oder mit Pfeil und Bogen, der Sebastiandarsteller mit Kreuz und Kränzlein - so zeiehen sie in zwei Gruppen von Haus zu Haus, klopfen an und fragen: "Dürfen wir St. Sebastianspielen kommen?" Auf die bejahende Antwort tritt der "Ansager" ein und verkündet im traditionell überhöhten Volksspielton:
"Ich tritt herin ganz schneeig weiß.
Ich bin der Engel vom Paradeis.
Ein kaiserlich Spiel wird euch bekannt:
Vom Heiligen Sebastian wird es genannt."
Der "Kaiser" folgt und fordert, ganz Würde:
"Kaiser Diokletian bin ich benannt.
Drum bietet mir einen Sessel an."
Er nimmt auf dem ihm eilig hingeschobenen Sessel Platz und blickt zur Tür, durch die "Offski" eintritt:
"Ich tritt herin ganz unbekannt.
Die Sonne hat mich abgebrannt.
Drum bin ich der König vom Morgenland."
Nun entwickelt sich folgendes Gespräch:
Kaiser:
"Ach nun, Vater von Offski!"
Offski:
"Was befehlen Eure Kaiserliche Majestät?"
Kaiser:
"Habt ihr den Heiligen Sebastian nicht gesehen?"
Offski:
"Nein. Kaiserliche Majestät!"
Kaiser:
"Ach, Vater von Offski!"
Offski:
"Was befehlen Eure Kaiserliche Majestät?"
Kaiser:
"Habt Ihr den Heiligen Sebastian wirklich nicht gesehen?"
Offski:
"Ja, ich habe ihn gesehen.
Er ist durch Straßen und Gassen gegangen."
Kaiser:
"Dann gehet hin und suchet ihn
und bringet ihn vor mein Angesicht!"
Offski geht hinaus und kehrt sofort mit dem Buben wieder, der den Sebastian spielt. Offski meldet:
"Hier, Kaiserliche Majestät, bringe ich ihn
und stelle ihn vor Euer Angesicht."
Kaiser:
Heiliger Sebastian! Willst du
den makkabäischen Glauben annehmen?"
Sebastian:
"Nein, Kaiserliche Majestät! Ich nehme ihn nicht an.
Ich glaube an Gott Vater, Sohn und den Heiligen Geist."
Kaiser:
"So nehmt ihn an und bindet ihn an einen Pfahl.
Gewiss soll er des Todes sterben."
Sebastians Arme werden über die Querhölzer des Kreuzes gelegt. Dann singen alle und vollführen dabei symbolisch mit knapper Gebärde die entsprechenden Gesten:
"Mit dem Pfeile jämmerlich
schießen tödlich wir auf Dich,
singen wir und rufen Gott an,
Heiliger Sebastian.
Und der Kaiser sprach voll Groll,
dass man ihn totschlagen soll.
Und der Kaiser sprach ganz toll,
dass man ihn totstechen soll."
Mit einem Spruch endet das Spiel:
"Das kaiserliche Spiel ist nun zu Ende.
Wir küssen dem Herrn und der Frau die Hände."
Offski, "der König vom Morgenland", kommt mit einer Büchse, in die die Geldspende - die auch in einem Buch vermerkt wird - hineingegeben wird; das Geld wird für die Mission verwendet.

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