Brauchtumsbezeichnung
Schulbrauchtum
Ereignis
Schulbrauchtum
Jahreszeit
Ganzjährig
Bezirk
Alle
PLZ
-0
Gemeinde
-
Beschreibung
Mit Schulbeginn tauchen auch im Burgenland immer häufiger die „Schulanfängertüten“ auf, allerdings hauptsächlich in den Städten und größeren Orten, wie Eisenstadt, Mattersburg usw. Die oft mehr als halbmeterhohen, mit bunten Bildern, manchmal auch mit Sprüchen wie „Zum Schulanfang“ bedruckten „Stanitzln“ sind aus Pappendeckel, werden mit allerlei Naschwerk angefüllt und sollen dem „Erstklässler“ die schwierige Umstellung „versüßen“. Man hebt sie gerne, meist freilich nur einige Zeit, „zur Erinnerung“ auf.
Ziemlich häufig finden wir in den Höheren Lehranstalten (Eisenstadt, Oberschützen) den Adventkranz in der Klasse. Eine „Weihnachtsfeier“ wird gewöhnlich an einem der letzten oder am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien begangen, entweder klassenweise (Eisenstadt) oder von allen Klassen gemeinsam (Mattersburg). Dabei wird in der Klasse oder in einem Festsaal auch ein Christbaum aufgestellt. In Mattersburg feiert man die Geburts- und Namenstage der Professoren, indem man ihnen Blumen überreicht; in Oberschützen gibt es ein Geburtstagspräsent nur für den Klassenvorstand.
Am besten erfassbar sind die „Bräuche“ vor und um die Reifeprüfung, die Matura:
Von Eisenstadt und Mattersburg berichtet Steininger, dass es dort (auch in Oberschützen) einige Zeit vorher eine „Maturazeitung“ gibt. Die ja auch sonst beliebten „Scherze“ werden jetzt häufiger und finden ihren Höhepunkt nach der bestandenen Matura. – Praktisch überall ist es Brauch, zu den Prüfungen in einem dunklen, häufig sogar schwarzen, manchmal „extra erst angeschaffenen“ Anzug zu erscheinen.
In Eisenstadt erfolgte nach Steininger die Verbrennung von Schulbüchern und Heften. Die offizielle „Maturafeier“ findet sehr bald an einem Abend statt und besteht aus Essen, Trinken, „offiziellen“ Reden und sehr viel „inoffiziellem“ Ulk, vor allem gezielt auf die Professoren. Neben ihnen ist immer auch der Direktor, oft sind auch die Eltern eingeladen; der Klassenvorstand erhält ein Geschenk. – Zu vorgerückter Stunde zieht man zur Schule, wo wie an fast allen Schulen eine weiße Fahne gehisst wird, wenn alle bestanden haben. Häufig marschiert man dann in Gänsemarsch und Gleichschritt zu den Weinkellern mitfeiernder Professoren, wobei auch in der Stadt Lausbübereien – oft ziemlich arger Art – verübt werden; es ist üblich, dass die Polizei dabei und wegen der „nächtlichen Ruhestörung“ ein Auge zudrückt, „weil es ja die Maturanten sind.“ – Einige Tage später „pflegt dann jeweils auch ein Fußballspiel der Maturanten gegen die Professoren stattzufinden.“
In Mattersburg gibt es ähnliche Gebräuche. Hier kommt noch dazu, dass ein Maturafoto gemacht wird und zwar mit dem Klassenvorstand. – Den Professoren werden nach der Matura Ständchen gebracht, wobei man Juxkäppchen aufsetzt und eine zweite weiße Fahne mitträgt; gewöhnlich erfolgt eine Einladung zum Trunk durch den Professor. Man zieht auch zum „Studentencafé“, wo es Freibier oder –wein gibt. – Einige Eltern laden die ganze Klasse zu einem Festessen ein. So ziehen sich die Feiern eine ganze Woche hin.
Ob die Wallfahrten Einzelner oder kleiner Gruppen (von Eisenstadt nach Mariazell, von Mattersburg nach Mariazell und Loretto) noch üblich sind, ist unklar. Jedenfalls aber ist in Mattersburg wie in Oberschützen eine Maturareise – meist ins Ausland in den Ferien – selbstverständlich.
In beiden Orten treffen sich auch die Maturanten in den meisten Fällen nach fünf Jahren wieder, wobei sie in Mattersburg auch ihren alten Schulräumen einen Besuch abstatten.
In Oberschützen gibt es noch einen „Maturamarsch“ in Zweierreihen durch den Ort, bei dem man das „Gaudeamus igitur“ singt und der im Gasthof mit einer „Maturakneipe“ endet; auch hier trägt man eine zweite weiße Fahne mit. Einige Tage später gibt es das „Maturakränzchen“.

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