Brauchtumsbezeichnung
Allerheiligen
Ereignis
Allerheiligen
Jahreszeit
Herbst
Bezirk
Alle
PLZ
-0
Gemeinde
-
Beschreibung
Selbstverständlich ist auch im Burgenland Allerheiligen am 1. November insofern vom nächsten überschattet, als die Gräber besucht werden, am Nachmittag die Gräbersegnungen stattfinden usw.
Aber wie in Niederösterreich gibt es einen Brauch, der ganz dem Allerheiligentag zu Eigen ist: das „Heiligenstriezlwünschen“. Wie wir es in Oggau hören, ist es auch anderswo: Früher wurden diese Strietzl im Hause gebacken, heute kauft man sie fast ausschließlich beim Bäcker. Sie sind aus einem Briocheteig, mit Milch, Fett und Zucker gefertigt und werden oft auch noch mit Zucker bestreut. Es handelt sich um ein Flechtgebäck aus drei, vier, ja sogar sechs „Strähnen“. Das Stück kostete in den 70er Jahren 5,- bis 24,- Schilling, wobei dieser größte Allerheiligenstrietzl schon eine Länge von etwa 60 cm hat. Drei- bis viertausend Stück werden allein von den Bäckereibetrieben in Oggau zu Allerheiligen verkauft; diese imposante Zahl unterstreicht die Bedeutung und Beliebtheit des Brauches.
Wie geht er nun vor sich?
Ab 8 Uhr – teilweise aber schon ab 7 Uhr – gehen die Kinder im Alter von 4 bis etwa 14 Jahren zu den Verwandten, zu den Paten und zu Bekannten und sagen: „I bitt um an Heiligenstrietzl!“ Heute bekommen sie nicht nur das Festgebäck, sondern auch Süßigkeiten und Geld. Ein Bub legt eine genaue Aufstellung über die „Eingänge“ aus einer Besuchsrunde vor: „Vom Firmgöd kriag ich 20,- Schilling und an größeren Strietzl; von der Godl 10,- Schilling und an Strietzl; von der Irmatant 5,- Schilling und an Strietzl und a Tschoklad; von der Großmutter 10, - Schilling und an Strietzl.“ Aber es gibt Kinder, die noch mehr zusammenbekommen; kinderreiche Familien essen oft zwei bis drei Wochen lang davon. „und dann macht die Mutter noch Brösl“.
In Oslip gehen die Kinder bis zum Erstkommunion-Alter. Ihre Bitte lautet: „Prosim za Halingu“. Hier wie auch anderwärts gehen zwar Buben und Mädel, aber „es bringt mehr Glück, wenn zuerst ein Bub kommt“. Die „Firmkinder“ bekommen im ersten Jahr von ihren Paten neben dem Strietzl noch einmal ein Geschenk – ein Ketterl, ein Kleid, ein Gebetbuch.
In Andau bekommen die Kindern den „Allerheiligenstrietzl“ von den Eltern und Großeltern. Das war auch schon vor 1921 so.
Natürlich gibt es noch weitere Orte, in denen dieser Brauch existiert.
Einige kleine Besonderheiten:
In Wolfau werden die Kindern von den Paten und Eltern mit dem Festtagsgebäck beschenkt; in Lackendorf die Täuflinge von der „Godl“; auch in Klostermarienberg ist der Pate der Geber. In Langeck im Burgenland hat der Brauch den Namen „Heilignstrietzlfedan“. In Girm sagen die Kinder: „Gelobt sei Jesus Christus – um an Heilignstrietzl!“ Sie bekommen gedörrtes Obst, Nüsse und Kastanien. Wenn sie irgendwo nichts bekommen, leiern sie: „Krucka, Krucka, Ofaschissl, d’Moahm hat in Kittl gsch…!“
Spätestens ab Allerheiligen darf das Vieh nicht mehr ausgetrieben werden. In Wolfau kennt man noch den Brauch der Hirtenrute: Der Gemeindehalter bringt Birkenzweige und sagt: „Soviel Birkenzweig i hab, so viel Küh und Kalbinnen sullt der Bauer im nächtn Joahr austreibn!“

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